Wasserkraft
Strom dank Wasserkraft
Neben der Sonne setzen Schweizer Seilbahnbetriebe vor allem auf Wasserkraft als Energieträger. Laut der Mitgliederbefragung 2024 nutzen 52 der befragten 111 Seilbahnunternehmen Wasserkraft. Die grosse Mehrheit bezieht dabei den Strom aus Wasserkraft von ausserhalb, einige Seilbahnen betreiben jedoch auch eigene Wasserkraftwerke oder planen diese. 9 Seilbahnunternehmen gaben an, bestehende Wasserkraftprojekte umzusetzen, während 10 weitere solche planen.
Um Energie aus Wasserkraft zu gewinnen, kommen bei einigen Seilbahnunternehmen mit geeigneten Voraussetzungen unter anderem sogenannte Kleinkraftwerke zum Einsatz. Die Davos Klosters Bergbahnen nutzen bereits seit Jahren solche Kleinkraftwerke, um ihren eigenen Strom zu produzieren – immerhin rund 800'000 kWh pro Jahr. Die Jungfraubahn AG betreibt seit über hundert Jahren das Laufwasserkraftwerk Lütschental mit total 12 MW Leistung und einer Jahresproduktion von rund 60 Mio. kWh Strom. Auch bei der Stoosbahnen AG spielt die Nutzung von Wasserkraft eine zentrale Rolle in der Energieversorgung. Je nach Verfügbarkeit von überschüssigem Wasser generiert diese Anlage zwischen 22 kW und 100 kW und kann so bilanziell mit 400’000 kWh pro Jahr die ständige Bevölkerung des Stoos mit Strom versorgen.
- Infokasten Kleinkraftwerk
Wie funktioniert ein Kleinwasserkraftwerk?
Es gibt verschiedene Arten von Kleinwasserkraftwerken. Durchlaufkraftwerke sind direkt in den Flusslauf eingebaut, das Wasser läuft direkt nach der Turbinierung im Gewässer weiter. Im Gegensatz dazu entnehmen Ausleitkraftwerke mittels eines Wehrs Wasser aus einem Fliessgewässer. Sie leiten das Wasser via Oberwasserkanal, Ausgleichsbecken und eventuell eine Druckleitung zur Turbine und dann zurück in das Fliessgewässer. Neben diesen beiden häufig vorkommenden Formen gibt es auch weitere Formen wie Trinkwasserkraftwerke oder die Nutzung der Beschneiungsinfrastruktur.
Bei allen Formen ist die Funktionsweise ab der Ankunft des Wassers bei den Turbinen gleich:
Das Wasser treibt Turbinen an, dabei entsteht Bewegungsenergie (kinetische Energie)
Ein Generator wandelt die kinetische Energie in Strom um
Der Strom kann entweder direkt verwendet oder ins öffentliche Stromnetz eingespeist werden
Mehrfachnutzung der Beschneiungsinfrastruktur
Für Seilbahnunternehmen könnte insbesondere die Mehrfachnutzung von Beschneiungsinfrastruktur interessant sein. Die Idee dahinter ist simpel: Für die technische Beschneiung sind bereits Druckleitungen verlegt, die im Winter Wasser beziehen, um Schnee zu produzieren. Die restliche Zeit des Jahres könnte die bestehende Infrastruktur genutzt werden, um das Wasser durch die Leitungen zu einer Turbine zu bringen und dort Strom zu produzieren. Die Davos Klosters Bergbahnen setzen bereits seit längerem auf dieses Prinzip und generieren mit ihrem Kraftwerk am Jakobshorn seit 2018 jährlich 800'000 kWh Strom. Dies entspricht dem Jahresverbrauch von ca. 200 Haushalten. Das Wasser kommt einerseits aus dem Speichersee (Schmelz- und Regenwasser), andererseits aus dem Trinkwasserüberlauf. Seit Januar 2026 wird auch auf dem Rinerhorn die Beschneiungsanlage genutzt, auch hier wird der Speichersee eingebunden. Künftig kann die Bergbahnen Rinerhorn AG damit mehr als die Hälfte ihres jährlichen Stromverbrauchs selbst decken. Für Interessierte ist zudem ein Informationszentrum mit Erlebnispfad geplant, um die Entstehung und Nutzung der Wasserkraft erlebbar zu machen.
Diese Art der Wasserkraft ist bisher noch wenig verbreitet. In der Mitgliederbefragung 2024 gaben lediglich sieben der befragten Seilbahnunternehmen an, dass sie in den nächsten fünf Jahren ihre Beschneiungsanlagen zur Stromproduktion umrüsten wollen. Obwohl die Doppelnutzung ökonomisch interessant ist und auch ökologisch den Vorteil bringt, dass es nur ein Leitungssystem braucht und damit die negativen Auswirkungen auf die Natur minimiert werden, gibt es einige Hürden. So müssen die Leitungen genug Druck aufbringen und genug Wasser führen können, um für die Stromproduktion geeignet zu sein. In der Praxis bedeutet dies oft, dass es grössere Leitungen braucht als für eine Anlage, die ausschliesslich zur Beschneiung genutzt wird. Gleichzeitig dauert der Konzessionsprozess für Wasserkraft in der Regel länger als jener für eine Beschneiungsanlage. Dies stellt interessierte Seilbahnen vor die Herausforderung, dass sich damit der Bau der Beschneiungsanlage um Jahre verzögern kann – was oft wirtschaftlich nicht tragbar ist.
Seilbahnen Schweiz plant, im Rahmen des Programms Nachhaltigkeit diese Thematik genauer zu beleuchten. Ziel ist es herauszufinden, wie die Beschneiungsinfrastruktur am besten für die Produktion von erneuerbarem Strom genutzt werden kann und welche Rahmenbedingungen dafür notwendig wären.
Denkt man die Doppelnutzung der Beschneiungsinfrastruktur zur Stromproduktion weiter, ergibt sich eine weitere theoretische Möglichkeit: Auch Speicherseen, die in erster Linie für die technische Beschneiung angelegt wurden, könnten mithilfe von Pumpspeicherkraftwerken für die Stromproduktion und -speicherung genutzt werden. Hierzu fehlen allerdings belastbare Daten, ob und ab welcher Speichergrösse bzw. mit welchen Rahmenbedingnungen dies ökologisch und wirtschaftlich sinnvoll wäre. Seilbahnen Schweiz wird prüfen, ob dieser Aspekt im Projekt zur Stromproduktion aus Beschneiungsinfrastruktur ebenfalls abgedeckt werden soll.
- Infokasten Pumpspeicherkraftwerk
Wie funktioniert ein Pumpspeicherkraftwerk?
Ausgangs- und Endpunkt bilden zwei Wasserbecken: das höhergelegene Oberbecken und das tiefergelegene Unterbecken.
Wenn überschüssige Energie im Netz vorhanden ist, wird diese genutzt, um Wasser vom Unter- ins Oberbecken zu pumpen. Dadurch wird die Energie sozusagen im Oberbecken gespeichert.
Wenn die Nachfrage hingegen steigt, wird Wasser vom Oberbecken über Turbinen ins Unterbecken geleitet. Die Turbinen sind mit Generatoren verbunden, welche die mechanische Energie der sich drehenden Turbinen in Strom umwandeln.
Da Pumpspeicherkraftwerke sowohl Energie speichern als auch produzieren können, kann man mit ihrer Hilfe schnell und flexibel auf Schwankungen im Stromnetz reagieren.